Neustadt: Kulturdenkmal mit öffentlicher Aufgabe

Die aktuellen Sanierungsarbeiten sollen im Spätsommer abgeschlossen und das Gebäude von Gerüst, Baunetzen und Planen befreit sein. Foto: Wanger




VON ANKE WANGER

Vor dem Haupteingang der Polizeidirektion Neustadt/Weinstraße flutet der Verkehr über die breite Karl-Helfferich-Straße. Seit dem Jahr 2008 Kulturdenkmal der Stadt Neustadt, steht das kulturell und historisch bedeutende Gebäude Nummer 11, das im Jahr 1955 nach Plänen des Stadtbauamts erbaut worden ist, unter Schutz.


Die Polizeidirektion unter der Leitung von Harald Brock ist mit mehreren hundert Mitarbeitern der Polizeiinspektionen zuständig für Belange des Landkreises Bad Dürkheim und der kreisfreien Stadt Neustadt. Sondereinsätze fallen beispielsweise für das Hambacher Schloss, das Weinlesefest, die Weinfeste und den Wurstmarkt an. Zur Direktion gehören auch die Polizeiautobahnstation Ruchheim, die Zentralen Verkehrsdienste Schifferstadt und die Kriminalinspektion Neustadt. So wird im denkmalgeschützten Haus in der Karl-Helfferich-Straße moderne Verwaltungsarbeit zum Schutz der Bürger geleistet.


Zeitgeist der Nachkriegszeit


Das noch keine hundert Jahre alte Gebäude vermittelt den Zeitgeist der Nachkriegszeit. Nach der Niederlage der Nationalsozialisten und dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollte sich der Bruch mit dieser unsäglichen Ära auch in der Architektur von Neubauten widerspiegeln. Monumentales mit enormer Grundfläche sollte der Vergangenheit angehören. Über den schlichten Skelettbau aus Stahlbeton konnte das Neustadter Gebäude rasch relativ kostengünstig über fünf Geschosse, bis zum „Flugdach“, das wie ein Flachdach über die Fassade hinausragt, in die Höhe gebaut werden, ohne mit seiner komprimierten, rechteckigen Form allzu schwerfällig zu wirken.

Die Gebäudelast verteilt sich auf Stützen. Die Fassaden von Vorder- und Hinterfront des Objektes sind durch zahlreiche Fenster in gleichförmige vertikale Raster im Stil einer Art Nachkriegsmoderne gegliedert und waren Jahrzehnte lang von außen verschattet. „Die Gebäudefenster wurden in den 70er- und 80er-Jahren nach und nach erneuert, wobei wohl auch die Außenverschattung mit Alu-Lamellen angebracht wurde“, berichtet der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) Mainz. Da der Denkmalschutz nicht darauf abzielt, dass die Landesimmobilie vom Zeitpunkt ihrer Errichtung an unverändert bleiben muss, sondern sinnvoll genutzt in seiner Substanz erhalten bleiben soll, konnte sie unter Schutz gestellt weiter saniert werden.


Denkmalschutz schließt Energiesparen nicht aus


Vor zwei Jahren sei die Heizungsanlage des Einzeldenkmals erneuert worden. Um weitere Energie zu sparen, habe der Landesbetrieb Niederlassung Landau am Gebäude der Polizeidirektion ganz aktuell eine energetische Fenstersanierung durchgeführt. „So können Heizkosten gespart und das Raumklima optimiert werden“, freut sich die LBB Mainz. Die neuen, dreifachverglasten Aluminiumfenster hätten ihren Sonnenschutz als regulierbare Jalousie zwischen den Fensterscheiben.

Das Gerüst werde aus Kostengründen gleich noch mitgenutzt, um die Fassade streichen zu lassen. Wenn die Arbeiten dann im Spätsommer abgeschlossen seien, habe man rund 1,1 Millionen Euro investiert. Danach soll in einem gesonderten Projekt der Aufzug erneuert werden. Alles immer im Austausch mit dem Denkmalamt der Stadt. Die Abstimmungen mit Stefan Ulrich von der Unteren Denkmalschutzbehörde seien bei allen Projekten hervorragend gelaufen, betont die LBB Mainz.

In Terminen sei vor Ort alles Wesentliche besprochen und dann protokolliert worden, bauliche Sicherheitsvorkehrungen, die die Richtlinien des Landeskriminalamts (LKA) für Polizeiliegenschaften vorsehen, inklusive. Auch, wenn es ein Spannungsfeld zwischen Denkmalschutzauflagen einerseits und der Funktionalität eines Gebäudes andererseits geben könne, sei das hier nicht der Fall gewesen. Durch den Fenstertausch und den Abbau der Außenjalousien habe sich die Fassade optisch wieder stärker ihrem Originalzustand angenähert.


Sgraffito als beliebter Fassadenschmuck


An der Außenfassade des Gebäudes befindet sich ein für die 50er- und 60er-Jahre typisches, großflächiges Sgraffito des bereits verstorbenen Malers und Bildhauers Georg Vorhauer, das  ebenfalls unter Denkmalschutz steht. Es ist in einer jahrhundertealten Kratzputztechnik gearbeitet worden. Seine Substanz sei sehr gut, meint Stefan Ulrich, weshalb es nicht restauriert werden müsse.

Die an der seitlichen, freien Gebäudewandfläche kunstvoll aus den verschiedenfarbig überlagerten Putzschichten herausgekratzte, bunte Bildabfolge zeigt in vereinfachten Konturen zum Beispiel „Hermes, den Götterboten“, mit seinen Flügelschuhen und heimatliche Motive. So erhält das denkmalgeschützte Gebäude durch die Kunst am Bau eine ganz individuelle Note.